
Oft sagen wir als Christen, dass wir auf Gott vertrauen, aber in unserem Alltag leben wir weiter, als ob alles nur von uns allein abhängen würde. Willkommen zu einem offenen und ehrlichen Gespräch über ein Thema, das in der Kirche oft unausgesprochen bleibt: die mentale Gesundheit. In diesem Artikel wollen wir lernen, wie wir unsere Sorgen in jene Hände legen können, die niemals versagen.
Es ist an der Zeit zu erkennen, dass die Auseinandersetzung mit Angst etwas sehr Reales ist, das wir ansprechen müssen. Das christliche Volk muss, genau wie der Rest der Welt, über diese Themen aufgeklärt werden, denn Angstzustände haben die Eigenschaften einer echten klinischen Krankheit. Das Bewusstsein für diese „Krankheiten der Seele“ wächst glücklicherweise stetig.
Im folgenden Artikel werde ich über Angstzustände und einige der häufigsten psychischen Probleme sprechen. Du erfährst, wie man ihnen begegnet und wie wir unseren Glauben an Gott nutzen können, um diese Lasten zu bewältigen, ohne jemals die Zuversicht zu verlieren.
Die unsichtbaren Wunden der Seele
Die Mentalität vieler unserer Vorfahren basierte auf der Unwissenheit bezüglich psychischer Leiden; sie glaubten, dass Krankheiten nur im Körper existieren, also in Dingen, die wir beweisen, sehen und die physisch schmerzen können. Sie waren sich jedoch oft nicht bewusst, wie sehr es auf der Ebene der Seele schmerzen kann. Deshalb ist es heute so wichtig, über dieses Thema zu lernen.
Warum kämpfen auch Christen mit Angstzuständen? Die Wahrheit ist, dass wir Christen der Angst nicht fremd sind. Es ist wichtig zu betonen: Angst ist kein Mangel an Glaube, sondern ein Übermaß an emotionalem Gewicht. Manchmal tragen wir Lasten, die uns eigentlich nie gehört haben. Als Christen tragen wir oft familiäre Lasten oder leiden unter der ständigen Angst vor der Missbilligung durch unser Umfeld und die Realität. Wir kämpfen hart, um eine Familie voranzubringen und unser eigenes Leben aufzubauen, und genau das ermüdet uns.
Dieses enorme emotionale Gewicht kann auf lange Sicht Angst erzeugen, und Angst an sich ist letztlich Furcht. Es ist die Furcht vor der Realität, die Angst vor Schmerz, die Furcht vor dem Scheitern im sozialen oder beruflichen Leben, oder auch die Angst vor Ablehnung und Verlassenwerden.
Das Gehirn und das göttliche Joch: Ein Bild des Vertrauens
Christus war sehr weise, als er sagte: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“. Gott weiß genau, dass unser Gehirn nur eine sehr geringe Toleranz für das schwere Gewicht dieser Welt hat. Die Welt ist chaotisch, und unser menschlicher Geist ist zu begrenzt, um die Mission, alles zu ertragen, allein durch Willenskraft und persönliche Anstrengung zu bewältigen. Unsere menschliche Spezies ist in dieser Hinsicht sehr limitiert.
Deshalb bietet sich Gott als eine Person an, bei der wir ruhen und auf die wir all unsere Ängste, Misserfolge und Schmerzen abwälzen können. Um dies zu verstehen, hilft ein Bild aus der Landwirtschaft: In der Antike spannte man oft einen alten, erfahrenen Ochsen neben einen jüngeren unter ein Joch. Wir verhalten uns oft wie der junge Ochse; wir wollen alles aus eigener Kraft und Energie schaffen. Doch oft brauchen wir diesen „alten Ochsen“ an unserer Seite. Gott weiß unsere Sorgen viel besser zu tragen als unser eigenes Gehirn. Es ist weiser, auf seine Erfahrung, Weisheit, Geduld und Gelassenheit zu vertrauen, als auf unsere eigenen, begrenzten Kräfte.
Unsere Sorgen abzugeben bedeutet nicht, sie einfach zu vergessen. Es bedeutet vielmehr zu vertrauen, dass jemand, der weitaus fähiger ist als wir, die Realität zu lenken weiß und diese Sorgen gemeinsam mit uns trägt. Wie es im ersten Petrusbrief heißt: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“.
Der Teufelskreis aus Schuld und Angst
Der Feind versucht uns oft einzureden, dass das Empfinden von Angst ein Verrat an Gott sei. Das führt dazu, dass Gläubige Schuldgefühle haben, weil sie Angst haben, zweifeln oder sich schlecht fühlen. Aber Gott hat niemals von dir verlangt, perfekt zu sein. Diese absolute Perfektion ist eine Anforderung, die du dir selbst auferlegt hast. Gott bittet dich vielmehr, aufrichtig und ehrlich zu sein. Anstatt zu versuchen, ein unbesiegbarer Superheld zu sein, der alles ertragen kann, müssen wir lernen, uns auszuruhen.
Weil unsere Gedanken uns jedoch so viel Schuld für diese erkrankten Emotionen einreden, neigen wir dazu, unser Leiden aus purer Schuld zu verbergen, anstatt Hilfe bei einem Psychologen, einem Pastor oder einem Gemeindeleiter zu suchen. Dieser Mechanismus ist gefährlich, denn Schuld bringt nur noch mehr Angst und noch mehr Schuld mit sich – ein Teufelskreis, aus dem wir aus eigener Kraft nicht entkommen können.
Ein klinischer Blick: Wenn das Vertrauen „zerbrochen“ ist
Angst ist eine Krankheit. Während ein gewisses Maß an Furcht normal ist und dem Überleben dient, ist die Angststörung eine unverhältnismäßige und krankhafte Furcht. Menschen, die unter starker Angst leiden, haben oft ein Gehirn, bei dem das Vertrauen förmlich gestört oder „kaputt“ ist. Aufgrund vieler tiefer Wunden ist der Verstand nicht mehr in der Lage, sich auf eine Dynamik einzulassen, in der er Sorgen einfach vor Gott ablegen kann. Das Gehirn dieser Menschen ist ausschließlich auf Überleben ausgerichtet und regelrecht „krank vor Überleben“.
Es ist nicht so, dass diese Menschen nicht vertrauen wollen, dass es ihnen an Willenskraft mangelt oder dass sie nicht „christlich genug“ sind; sie können es schlichtweg krankheitsbedingt nicht. Es nützt also absolut nichts, sie zu verurteilen oder als „fleischlich“ abzustempeln. Solche Vorwürfe helfen nicht; sie erzeugen nur mehr Schuldgefühle und verstärken den negativen inneren Mechanismus.
Heilung durch Loslassen und professionelle Hilfe
Ein großer Teil des christlichen Lebens besteht darin, loszulassen, sich von bestimmten Dingen zu lösen und zu vergeben. Wenn wir uns krankhaft an unsere Ängste, an Besitz oder an Beziehungen klammern, werden wir krank. Lass das los, was du ohnehin nie kontrollieren konntest. Lass das los, was du allein nie heilen konntest. Denn nur wenn du es loslässt, kann Gott es festhalten und stützen.
Wie machen wir das in der Praxis? Sehr oft geschieht dies, indem wir reden, ehrlich zu uns selbst werden und jemandem erlauben zuzuhören – sei es durch den Gang zu einem Psychologen oder in einem Gespräch mit dem Pastor über die Dinge, die uns belasten. Dies hilft uns, die Geschehnisse neu zu verarbeiten.
Wenn du feststellst, dass in deinem Inneren eine kranke Dynamik herrscht, vielleicht aus deiner familiären Vergangenheit, und du aus eigener Kraft die Angst nicht besiegen kannst, dann ist es an der Zeit, um Hilfe zu bitten. Sprich mit deinem Pastor, und wenn nötig, greife auf professionelle psychologische Hilfe zurück, die dir echte Werkzeuge für die Seele bieten kann.
Gott ist ein Zufluchtsort der Liebe und der absoluten Akzeptanz. Er wird ein ängstliches, unruhiges oder gedemütigtes Herz niemals abweisen. Und wenn die Angst nach einem guten Gebet am nächsten Tag doch wieder zurückkehrt, verliere nicht den Mut. Es ist einfach eine neue Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass die Kraft nicht in dir, sondern in Gott liegt. Paulus erinnert uns im Philipperbrief daran, dass wir unsere Bitten vor Gott bringen sollen. Dass Gott die Kontrolle hat, ist der beste Balsam für unser erschöpftes Gehirn. Lasst uns den Mut haben, unsere Seelen auszudrücken und die Heilung zu suchen, die wir verdienen.
Der Weg ist nicht immer leicht, aber mit Glauben und Ruhe in Geist und Seele ist alles möglich
Wie wir gesehen haben, besteht der Weg des Glaubens in der heutigen Zeit – egal ob katholisch oder evangelisch – darin, inneren Frieden zu finden, mit Leid und Schmerz umzugehen, den Glauben nicht zu verlieren und all das loszulassen, was uns Schmerz bereitet und wofür es keine Abhilfe mehr gibt.
Ich hoffe, dass dieser Artikel und diese Reflexion dir eine Hilfe waren und du nun deinen Frieden bewahren sowie Angst und Depression aus deinem Leben fernhalten kannst.
Ich lade dich ein, auch die anderen Artikel auf unserer Webseite zu lesen. Dort findest du weitere Reflexionen über die Herausforderungen, denen wir Christen heute gegenüberstehen, sowie die besten katholischen und evangelischen Gebete.
